wäd werksärztlicher dienst wetzlar e.V.

www.waed.de

Neues zur Schweinegrippe (A/H1N1)

zur Zeit ist in den Medien weiterhin zum Risiko für Schweinegrippeviruserkrankungen viel zu lesen. Auch ich möchte dazu nach Bewertung relevanter Literatur beitragen, um Ihnen dazu eine Entscheidungsgrundlage für ein sinnvolles weiteres Vorgehen zu liefern.

Die Schweinegrippeerkrankungszahlen sind in den letzten Wochen deutlich angestiegen, dies war zu erwarten. Bis dato sind ca. 50.000 Schweinegrippeerkrankungen in Deutschland gemeldet, die Dunkelziffer ist deutlich höher.

Wie kann man sich schützen?

Weiterhin gelten die Grundregeln der Hygiene. Häufiges Händewaschen ggf. auch Desinfektion der Hände hilft das Schweinegrippevirusrisiko zu senken. Darüber hinaus sollte beim Niesen Einmaltaschentücher verwendet werden. Auch ist zu überlegen, ob Menschenansammlungen gehäuft oder regelmäßig aufgesucht werden müssen.

Wie breitet sich das  H1N1-Virus aus?

Das Virus kann über Tröpfchen und Hautkontakte weitergegeben werden. Daher dienen die oben genannten Schutzmaßnahmen effektiv vor einer Weiterverbreitung.

Welche Symptome treten auf?

In der Regel sind das die bekannten Grippesymptome. Das heißt Temperaturen über 38° C, Kopfschmerzen, Gelenk- u. Gliederschmerzen. Dies wären typische Symptome.

Treten derzeit entsprechende Symptome auf, so ist von einer Schweinegrippeerkrankung auszugehen, dies verstärkt dann, wenn Kontakte zu an Schweinegrippeerkrankten bestanden haben. Allerdings kann der Krankheitsverlauf auch relativ mild und asymptomatisch sein.

Was ist zu tun bei Verdacht auf Schweinegrippe?

Hat man entsprechende Beschwerden, sollte man unbedingt vom Arbeitsplatz fern bleiben und nach Hause gehen. Die Vorgesetzten und die Personalstellen sind natürlich zu informieren. Telefonisch sollte mit dem Hausarzt Kontakt aufgenommen werden und  die Krankheitssymptome geschildert werden. Dieser führt dann die entsprechende Behandlung durch.  Außenkontakte sind auf ein Minimum zu beschränken. Dies um die Weiterverbreitung zu verhindern. Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle schildert folgendes:

Die Schweinegrippe betrifft überwiegend junge Menschen mit einem relativ gutartigen Krankheitsverlauf. Falls ältere Menschen betroffen werden, so verläuft in der Regel die Krankheit häufiger schwer bis tödlich.

Medikamentengabe bei Schweinegrippe?

Bei Erkrankten erfolgt eine symptomatische Behandlung. Meist wird Paracetamol bei Fieber gegeben. Eine vorbeugende Gabe mit Tamiflu erfolgt in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Dies ist eher nicht regelmäßig der Fall.

Ist Mundschutz sinnvoll?

Auch darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Generell ist zur Zeit Mundschutz für die Allgemeinbevölkerung nicht notwendig. Mundschutz kann sinnvoll sein bei Krankheitsverdacht oder bei Krankheit, wenn Kontakt zu anderen Personen besteht um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.  Aus Vorsorgegründen Mundschutz zu tragen ist generell nicht gegeben. Am Arbeitsplatz kann dies bei Krankheitsverdächtigen in besonders sensiblen Einrichtungen in Absprache indiziert sein.

Virusnachweis?

Die Anwendung eines so genannten Schnelltestes macht keinen Sinn. Der Schnelltest zeigt nur die Obergruppe des Virus an. Der Schnelltest zeigt nicht konkret das Schweinegrippevirus an. Dies kann nur durch aufwendige Laboruntersuchungen erfolgen. Im Einzelfall geschieht dies, da die Laborkapazitäten an ihren Grenzen sind.

Kann sich das Schweinegrippevirus verändern?

Viren verändern sich ständig. Dies ist auch der Grund, warum im Rahmen der saisonellen Influenzaimpfung der Impfstoff jährlich angepasst wird. Jeweils problematisch sind große Virusänderungen. Dabei besteht die Gefahr, dass keine Immunität vorliegt und ein Impfstoff wie in der jetzigen Situation erst noch zu entwickeln ist.

Wer sollte sich impfen lassen?

Seit einigen Wochen ist ein Impfstoff in Deutschland zugelassen. Die Impfung geschieht entweder über die Gesundheitsämter bei bestimmten Risikogruppen, ansonsten wird die Impfung bei behandelnden Ärzten durchgeführt. Jeder sollte eine individuelle Risikonutzenabwägung durchführen. Sicherlich ist die Impfung indiziert bei Personen die beispielsweise Immunabwehrgeschwächt sind, die chronische Grundkrankheiten, Herz- Kreislaufkrankheiten oder auch Atemwegskrankheiten haben-. Unabhängig davon ist natürlich auch die saisonale Influenzaimpfung durch zuführen.

Die Schweinegrippeimpfung ersetzt nicht die saisonale Influenzaimpfung. Beide Impfungen sollten einen zeitlichen Abstand von ca. 3 Wochen haben.

Falls Sie weitere Fragen haben bitte ich um Kontaktaufnahme.

Dr. med. W. Bunk