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Basiswissen zum Aufenthalt und Arbeiten in der Höhe

Mit steigender Höhe fallen der Luftdruck und damit auch die Sauerstoffsättigung. Der Körper versucht, die Abnahme der Sauerstoffsättigung mit Erhöhung der Herzfrequenz und Steigerung der Atemfrequenz zu kompensieren. Bei den Höhenkrankheiten werden folgende Krankheiten unterschieden:

1.) Akute Bergkrankheit
Geht einher mit Kopfschmerz, Schlafstörung, Schwindel.
Diese tritt meist bei einer Höhe ab 2000 m auf. Die Beschwerden verschwinden in der Regel nach 24-48 Stunden, wenn kein weiterer Höhengewinn und körperliche Schonung erfolgen. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten. Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol.

2.) Höhenhirnödem
Ein Höhenhirnödem kann unabhängig von der akuten Bergkrankheit auftreten. In der Regel kann diese Krankheit in Höhen > 4000 m auftreten. Die Krankheit kommt bei ca. 1% vor und geht einher mit erheblichen Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und Bewegungsstörungen. Eine Behandlung mit Cortisol und Calciumantagonisten ist notwendig.

3.) Höhenlungenödem
Dies geht einher mit einem deutlichen Leistungsverlust, begleitet mit Luftnot und Husten. Das Höhenlungenödem entwickelt sich meist rasch nach einem Aufstieg in Höhen > 4000 m. Auch beim Höhenlungenödem erfolgt die Behandlung mit Cortisol und Calciumantagonist. Eine sauerstoffreiche Umgebung mit Höhenabstieg oder Sauerstoffzufuhr ist ebenfalls angezeigt.

Prophylaxe der Höhenkrankheiten


Die sinnvollste und effektivste Prophylaxe ist ein langsamer Höhengewinn. Ab 2500 m Höhe sollte maximal 300 m pro Tag die Höhe gesteigert werden. Je schneller der Höhengewinn ist, desto größer ist das Risiko des Auftretens einer Höhenkrankheit. Eine medikamentöse Prophylaxe kann in Erwägung gezogen werden, wenn eine bekannte Anfälligkeit besteht oder ein langsamer Anstieg nicht möglich ist.


Prinzipiell ist zu sagen, dass Höhen bis 3000 m von Gesunden bzw. auch Patienten mit gut eingestellter koronarer Herzkrankheit und Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung gut toleriert werden. Dies entspricht auch den Erfahrungen im Flugverkehr, da der Kabinendruck bei Interkontinentalflügen einer Höhe von 2700 m entspricht.


Bei Aufenthalten in Höhen von 5000 m liegt beispielsweise nur noch eine 50%-ige Sauerstoffsättigung vor. Daher ist sowohl bei beruflichen wie auch privaten Aufenthalten in Höhen eine medizinische Beratung sinnvoll, um lebensbedrohliche Höhenerkrankungen zu vermeiden.


Je kürzer der Aufenthalt in der Höhe ist und je geringer das individuelle Risiko ist, um so geringer ist das Risiko des Auftretens einer Höhenkrankheit.

Dr. med. W. Bunk
12/2013