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Biologische Gefahren bei Waldarbeit

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind Tätigkeiten in Hinblick auf ihre gesundheitliche Gefährdung zu beurteilen. Auch von Tätigkeiten in freier Natur wie Waldarbeit können Gefährdungen ausgehen. Mit Hilfe der Gefährdungsbeurteilung können dann natürlich auch Maßnahmen zum Schutz abgeleitet werden. Im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge werden dem Arbeitnehmer Gefährdungen benannt und zu Präventivmaßnahmen geraten.

Folgende Gefährdungen bei Waldarbeiter sind besonders zu nennen:

Tetanus (Wundstarrkrampf)
Der Erreger des Wundstarrkrampfes ist das BakteriumClostridium tetani. Dieses lebt im Boden und kann über Wunden in die Haut gelangen. Grund für die selten in Deutschland auftretende Erkrankung ist der hohe Durchimpfungsgrad der Bevölkerung. Die
Tetanusimpfung ist alle 10 Jahre aufzufrischen.

Tollwut
Tollwut ist eine Viruserkrankung die vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Der wichtigste Überträger in Deutschland ist der Fuchs, weshalb seit Jahren Impfköder für Füchse ausgelegt werden. Auch Fledermäuse können von Tollwutviren
infiziert sein und entsprechend Tollwut übertragen.Daher sollte bei möglichem Kontakt zu tollwütigen Tieren eine Präventivimpfung auf Tollwut erfolgen. Kommt Tollwut beim Menschen zum Ausbruch, so ist der Krankheitsverlaufin der Regel immer tödlich.

Hanta-Virus
Hantaviren werden durch Nagetiere über Urin und Kotausgeschieden. Hauptüberträger ist in Deutschland die Rötelmaus. Die ausgeschiedenen Exkremente können über kontaminierte Hände, Bisse oder aufgewirbelte Exkremente aufgenommen werden. Es
kann zu einer grippeähnlichen Erkrankung kommen, auch schwere Krankheitsverläufe mit Nierenfunktionsstörungen und Nierenversagen sind beschrieben. Gegen die Hantavirusinfektion ist keine Schutzimpfungmöglich.

Durch Zecken übertragene Krankheiten
Die wichtigsten von Zecken übertragenen Krankheitensind die Borreliose und die FrühSommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zecken halten sich im Unterholz auf und wandern bei entsprechendem Wirtskontakt (Mensch) zu einer geeigneten Einstichstelle.

Die Borreliose ist eine bakteriologische Erkrankungund die Zeckendurchseuchung liegt bei 5-40 %. In der Regel sollte die Zecke frühzeitig entfernt werden, weitere therapeutische Maßnahmen sind nicht notwendig. In einigen Fällen können nach Wochen grippeähnlicheSymptome oder auch die sogenannte Wanderrötung an der Einstichstelle auftreten. Selten kann es nach Monaten bis Jahren zu Beschwerden des Nervernsystems und der Gelenke kommen (LymeArthritis). Dann ist eine Antibiotikabehandlung notwendig und möglich. Ein Impfstoff gegenüber der Borreliose liegt nicht vor.

Die auch durch Zecken übertragene FSME-Erkrankung ist auf bestimmt Regionen beschränkt. So sind prinzipiell die meisten Landkreise südlich vom Main Risikogebiete. In Hessen nördlich vom Main betrifft dies den nördlichen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

FSME übertragende Zecken können zu einer Erkrankungder Hirnhäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis) führen. Daher wird bei entsprechender Exposition und Risiko eine FSME-Impfung empfohlen. Um eine Schutzwirkung durchdie Impfung zu erreichen sind 3 Impfungen und dann regelmäßige Auffrischimpfungen notwendig.

Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis)
Der Fuchsbandwurm wird, wie der Name schon sagt, überwiegend vom Fuchs in Europa übertragen. Ist der Fuchs befallen, scheidet er entsprechende Wurmeier mit dem Kot aus. Die Wurmeier können dann durch andere Tiere und auch durch den Menschen aufgenommen werden. Die Wurmeier entwickeln sich zuLarven in der Leber und es kann zu einer Erkrankung kommen. Ist die Leber mit Larven befallen, so lassen diese sich operativ im Anfangsstadium entfernen. Eine Schutzimpfung existiert nicht.

Insektenstiche
Ca. 5% der Bevölkerung reagieren allergisch auf Wespenstiche, daher sollten vor allem Forstarbeiter mit Wespenstichallergie entsprechend gerüstet sein. Zu empfehlen ist das Mitführen eines Notfallsets, um eine entsprechende Schockreaktion nach Wespenstiche behandeln zu können. Auch der Eichenprozessionsspinner kann bei Kontakt zu einer entzündlichen, hautreizenden Reaktion führen. Diese zeigt sich in Form von Juckreiz, Ausschlag und Quaddelbildung. Daher sollte der Kontakt zu Raupen des Eichenprozessionsspinners vermieden werden.

Pflanzen
Auch von einigen Pflanzen kann eine allergische Reaktion beim Menschen ausgelöst werden. Zu nennen sind Pollen der Beifuß-Ambrosie. Der Saft der Herkulesstaude kann bei Sonneneinstrahlung auf der Haut ebenfalls zu einer starken allergischen Reaktion bis hin zu schweren Verbrennungen führen.

Schutzmaßnahmen
Aus arbeitsmedizinsicher Sicht sind in Risikogebieten Schutzimpfungen gegenüber oben genannte Krankheiten zu empfehlen, insofern Schutzimpfungen möglich sind. Darüber hinaus sollte geeignete Arbeitskleidung getragen werden. Die Benutzung insektenabweisender Mittel ist nur bedingt empfehlenswert, da der Nachweis der Wirksamkeit fraglich ist.

Bei direktem Kontakt zu hochallergischen Pflanzen oder Kontakt zu Tieren mit Krankheitsrisiko sollten natürlich Einmalhandschuhe getragen werden.
Ein wesentlicher Schutz besteht darin, dass am Einsatzort Hände gewaschen werden können. Selbstredend sollten Hände jeweils vor der Nahrungsaufnahme gewaschen werden. Auch ist die Arbeitskleidung regelmäßig zureinigen und auf eine Trennung zur Straßenkleidung ist zu achten.

Dr. med. W. Bunk
Stand 4/2014