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Mobilfunk und Gesundheit

Mobiltelefone (Smartphones) sowie die dazu gehörigen Mobilfunkstationen sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Es gibt kaum noch Jugendliche oder Erwachsene ohne Mobilfunk, bereits Kleinkinder haben bereits Mobilfunktelefone.

Im Berufsleben ist die ständige Erreichbarkeit Bestandteil vieler Arbeitsplätze. Der Gebrauch von Mobiltelefonen wird vorausgesetzt.

Beim Mobiltelefon handelt es sich um eine neue Technik, die sich rasant in den letzten 20 Jahren erst entwickelt und weiter verbreitet hat.

Auf der anderen Seite stellen sich Fragen nach den Auswirkungen dieser Technik, besonders wenn es um die gesundheitlichen Auswirkungen geht.

Die Frage der Langzeitfolgen kann auf Grund der Kürze der eingeführten Technik und der sich  ständig verändernden Technik nicht bzw noch nicht abschließend beurteilt werden.

Mobiltelefone empfangen und senden hochfrequente elektromagnetische Felder.

Dem neuesten technischen Stand entspricht der LTE (Long Term Evolution) Standard, wobei es sich um gepulste als auch nicht gepulste Felder handelt.

Die Mobilfunktelefone haben eine Sendeleistung von 1-2 Watt, wobei in der Regel die Telefone so technisch eingestellt sind, dass sie jeweils die niedrigste Sendeleistung abbilden. Basisstationen haben eine Sendeleistung von 10-20 Watt. Im Vergleich dazu liegt die Sendeleistung der Bluetooth-Geräte und der schnurlosen Telefone deutlich darunter. Andererseits beträgt die Sendeleistung von Fernsehstationen um ein 100-faches höher.

 

Wirkung

Hochfrequente elektromagnetische Felder werden von den oberen Körperzellen aufgenommen und bewirken eine Erwärmung. Eine Erregung von Nerven- und Muskelzellen ist nicht möglich. Um diese Wärmewirkung auf ein akzeptables, nicht schädigendes Maß zu reduzieren, sind Grenzwerte aufgestellt. Diese sind die sogenannten spezifischen Absorptionssraten (SAR). So ist beispielsweise festgelegt, dass diese Aufnahmerate nicht höher als 2 Watt pro kg Körpergewicht für Teilkörperbereiche und 0,08 Watt pro Körpergewicht für den ganzen Körper betragen darf.

Dass diese Grenzwerte eingehalten werden erfolgt durch die Aufsicht der Bundesnetzagentur. Bei der Berechnung der Sicherheitsabstände der Funkantennen werden auch andere Funkwellen berücksichtigt.

Bei der Erforschung gesundheitlicher Wirkungen auf Lebewesen werden sowohl Studien im Labor als auch Studien an Tieren und epidemiologische Langzeitstudien berücksichtigt.

Nach derzeitigem Kenntnisstand ergibt sich kein Zusammenhang zwischen Handynutzung und erhöhtem Risiko für Hirntumore für Erwachsen in Kopfbereich. Allerdings liegen bei intensiver Langzeitnutzung von mehr als 10 Jahren Hinweise für ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Hirntumore vor.

Auf Grund dessen hat die Internationale Agentur zur Erforschung von Krebs IARC Mobilfunk als möglicherweise für Menschen krebserregend eingestuft.

Noch intensiver wird über Langzeitwirkungen von  Mobilfunk auf die Gesundheit von Kindern geforscht. Erste Ergebnisse sollen demnächst vorliegen.

Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Daten ergibt sich kein Einfluss von Mobilfunkfeldern auf den Schlaf, auf die Störung der Bluthirnschranke, auf die Blutbildung oder auch auf die Hormonproduktion (Melatonin). Auch die Frage der Elektrosensibilität ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Nach Aussage der Strahlenschutzkommission liegen bis heute keine Beweise für das Phänomen der Elektrosensibilität vor. Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Studien ist die Frage der Zeugungsunfähigkeit von Männern und der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass auf Grund der rasanten Entwicklung der Technologie und der explosivartigen Weiterverbreitung dieser Technologie weitere umweltmedizinische Studien notwendig sind und sein werden.

Andererseits ist ein wissenschaftlicher Beweis für ein Nullrisiko nicht zu erbringen. Daher führen Befürchtungen von Patienten, die oft auch medial getrieben und verstärkt werden, zu Erwartungshaltungen, die im Spannungsfeld vorhandener Erkenntnisse zu ertragen sind. Daher kann sowohl von einzelnen Heilberufen als auch durch die Medien eine Krankheitshaltung bzw. Behandlungserwartung geschürt werden, die wissenschaftlichen Überprüfungen nicht standhält. Auf diesem Gebiet, aber nicht nur auf diesem, fällt scheinbar der Spagat wissenschaftlicher Präzision und spannender Aufmachung besonders schwer bzw. es werden Spekulationen in den Raum gestellt, die dadurch besonders interessant und wahrhaft erscheinen.

 

Möglichkeiten der Prävention

Es gibt Möglichkeiten der Prävention beim Gerätekauf, die aber in der Regel selten berücksichtigt werden. Wer kauft schon sein Mobiltelefon nach der spezifischen Adoptionsrate (SAR), Handys werden nach Modeerscheinungen und technischen Möglichkeiten gekauft.

Folgende Verhaltenstipps können zur Anwendung gebracht werden und zu einer Strahlenreduktion beitragen:

  • Verwendung von Headsets , die Begrenzung der Sprechzeiten sowie auf gute
  • Empfangsbedingungen achten.
  • das mobile Datennetz deaktivieren.
  • Kinder und Jugendliche sollten Handys nur in begrenztem Umfang benutzen.
  • Auf einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Geräten ist pädagogisch hinzuweisen.

In der Risikobetrachtung spielen in der Regel Mobilfunkstationen keine gesundheitliche Rolle, da physikalisch gesehen die elektromagnetischen Felder bereits in kurzer Entfernung von den Basisstationen so reduziert sind, dass sie keinen relevanten Effekt haben.

Eindeutig nachgewiesen ist das Unfallaufkommen in Autos und die Handynutzung. Dies ist aber nicht durch die elektromagnetischen Felder bedingt, sondern durch die Ablenkung beim Bedienen und Nutzen der Geräte. Dies auch der Grund, warum die Handynutzung ohne Freisprecheinrichtung im Auto verboten ist.

Dr. med. W. Bunk

Stand 3/2016