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Kann Marathonlaufen zu Schäden führen?

Aus sportmedizinischer Sicht wird diese Frage immer wieder gestellt. Aus kardiologischer Sicht, gastrointestinaler Sicht und von Seiten des orthopädischen Fachgebietes sollen diese Fragen beantwortet werden:

Aus kardiogischer Sicht
Seit Jahren wird das Risiko einer kardialen Schädigung sowie des plötzlichen Herztodes beim Marathonlauf diskutiert.
Bisherige umfangreiche Untersuchungen ergeben keinen Anhaltspunkt für eine akute oder chronische Schädigung des Herzmuskels bei herzgesunden Sportlern. Ein regelmäßiges erschöpfenden Ausdauertrainig führt nicht zu einer Schädigung bei einem gesunden Herzen. Selbstredend ist ein Marathonlauf eine hohe kardiale Belastung. Daher sind eine ausreichende Vorbereitungszeit und auch eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung angezeigt, besonders bei erworbenen oder angeborenen Herz- Kreislauferkrankungen. Dies trifft besonders auf ältere Läufer zu, bei denen eine koronare Herzkrankheit vorliegen kann.

Aus orthopädischer Sicht

Umfangreiche Laufbelastungen führen beim Stütz- und Bewegungsapparat ohne Vorerkrankungen nicht zu einer nachhaltigen Schädigung. Ob es bei derartigen Trainingsumfängen zu einer vermehrten Knie- oder Hüftgelenksarthrose kommen kann, ist derzeit nicht abschließend beurteilbar. Gesichert ist, dass bei einem Trainingsumfang > 60 km die Woche, gehäuft Beschwerden auftreten können. Dies betrifft Reizungen an der Achillessehne, Beschwerden im Bereich der Knieregion, der LWS, des Fußes und der Schienbeinkante. Die Beschwerden sind meistens gering und durch eine konservative Therapie in der Regel gut behandelbar. Daher die Empehlung, dass das Lauftraining langsam zu steigern ist und eine Kräftigung der Muskulatur sinnvoll ist, um präventiv entsprechende Beschwerden zu verhindern.

Aus gastrointestinaler Sicht
Läufer im Langstreckenbereich leiden durchaus auch an Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen und auch an Durchfall. Man spricht gar vom Läuferdurchfall. Die Einflussfaktoren sind vielschichtig.  Diskutiert werden Alter, Geschlecht, Nahrungsaufnahme sowie Trainingsumfang.  Vermutlich kommt es durch das intensive Training  zu einer belastungsverursachten Durchblutungsänderung im Bereich der Darmdurchblutung. Dies hätte dann als Folge entsprechende Gewebsschäden.

Folgende Empfehlungen sind davon präventiv abzuleiten:
Ein gutes Aufbautraining ist die wichtigste Grundlage. Während des Trainings und des Wettkampfes ist bei entsprechend Umfängen regelmäßig zu trinken. Dies um den Magen- Darmtrakt an entsprechende Belastungen zu gewöhnen. Hoch-kalorische hypertone Nahrungsmittel sind während des Wettkampfes und bei intensiven Trainingsläufen zu meiden. Die Einnahme von Schmerzmedikamenten sollte nur nach Rücksprache mit einem sportmedizinisch  ausgebildeten Arzt erfolgen.

Dr. med. W. Bunk
Stand 10/2011